Willkommen auf SELBSTMöRDER.DE

selbstmörder.de bietet Ihnen weiterführende Links auf Webseiten zum Thema Selbstmörder

Startseite > Suizid

{{Infobox ICD
| BREITE =
| 01-CODE = Z91.5
| 01-BEZEICHNUNG = Selbstbeschädigung in der Eigenanamnese (Parasuizid, Selbstvergiftung, Versuchte Selbsttötung)
}}

Ein '''Suizid''' (veraltet auch ''Suicid''; von hat am 20. Januar 2011 das Recht auf Beendigung des eigenen Lebens als Menschenrecht anerkannt.

Der Begriff beschreibt einen psychischen Zustand, in dem Gedanken, Phantasien, Impulse und Handlungen anhaltend, wiederholt oder in krisenhaften Zuspitzungen darauf ausgerichtet sind, gezielt den eigenen Tod herbeizuführen.

Überblick

Suizid ist ein komplexes Phänomen. Die Selbsttötung sollte nach der Weltgesundheitsorganisation aufgrund der Häufigkeit als ?gesundheitspolitische Priorität? betrachtet werden. Suizide können aufgrund der unterschiedlichsten Beweggründe vollzogen werden; die weltanschauliche und juristische Einordnung ist höchst heterogen. Während nach der Jahrtausendwende verschiedene Gerichtsurteile in Europa den Suizid beispielsweise als Menschenrecht einordnen, wurden historisch Suizidenten etwa auch postum zum Tode verurteilt.

Weltweit begingen im Jahr 2016 geschätzt 793.000 Personen Suizid, davon rund 10.000 in Deutschland. Weltweit begingen damit 10,5 Personen pro 100.000 Menschen einen Suizid, in Deutschland lag die Quote bei 13,6 Suiziden pro 100.000 bei den Männern und 4,8 Suiziden pro 100.000 bei den Frauen. Global liegt das Verhältnis von Männern zu Frauen bei etwa 1,8; in Deutschland sind etwa 70 Prozent der Suizidenten männlich.
Etwa 79 Prozent aller weltweiten Suizide werden in Ländern mit geringem oder mittleren Einkommen vollzogen. Suizid war 2016 die zweithäufigste Todesursache der 15- bis 29-Jährigen. Die am häufigsten gewählten Methoden gebrauchen Pestizide und Waffen, auch wird oft gewählt. Suizid kann aktiv und passiv begangen werden, etwa auch durch den Verzicht auf Medikamente.

Eine Suizidhandlung ohne Todesfolge wird als ''Suizidversuch'' bezeichnet. Versuche sind um geschätzt Faktor 10 häufiger als vollendete Suizide. Vorherige Suizidversuche sind der größte Risikofaktor für vollendete Suizide.

Aus Perspektive der klinischen Psychologie und Psychiatrie sind Suizidhandlungen oft Symptom einer . Bei psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung und durch verschiedene Präventionsmaßnahmen lassen sich Suizidhandlungen verhindern. Über diese Betrachtung hinaus gibt beispielsweise auch das kontrovers diskutierte Konzept der und den umstrittenen Begriff des Bilanzsuizid. Grundsätzlich geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass Suizidhandlungen und Suizidalidät stigmatisierend sind und einem generellen Tabu unterliegen. Die Weltgesundheitsorganisation bemängelt darüber hinaus die grundlegende Unterschätzung des Themas Suizid, so sei mit Stand 2018 erst in ?wenigen Ländern? die Suizidprävention eine Priorität in der Gesundheitspolitik, lediglich 38 Staaten hätten überhaupt eine Präventions-Strategie.

Als eigenständige Wissenschaft, die sich mit dem Suizid besonders aus psychiatrisch-medizinischer Sicht beschäftigt, hat sich im 20. Jahrhundert die Suizidologie herausgebildet.

Benennung

Suizid wurde in Gesellschaften und Epochen unterschiedlich bewertet, was sich auch sprachlich ausdrückt. Innerhalb der Fachwelt ist ''Suizid'' etabliert. Das Wort ist wie das bis ins 20. Jahrhundert benutzte neulateinische Wort ''Suicidium''

Umgangssprachlich wird der Begriff ''Selbstmord'' gebraucht, wobei dieser Begriff von vielen Medien nicht verwendet und von vielen Fachleuten abgelehnt wird. Dem liegt zu Grunde, dass dieser Begriff eine Wertung impliziert und die juristische Definition von Mord nicht erfüllt ist. Darüber hinaus ist Suizid ein komplexes Phänomen, das neben den Suizidenten auch Dritte betreffen kann. Nach einem 2004 von Peter Helmich im veröffentlichten Artikel erschwert die wertende Begrifflichkeit die Trauerarbeit der Hinterbliebenen. Nach Barbara Schneider, stellvertretende Vorsitzende der , trägt das Tabu ?Sebsttötung?, welches durch den Gebrauch des Begriffs ''Selbstmord'' bestärkt wird, zur Erschwernis der Präventionsarbeit bei.

{{Zitat

Der lateinische Wortstamm ''caedere'' kann nach Kontext unterschiedlich übersetzt werden, etwa mit ?töten? und ?morden?, aber auch mit ?fällen?. Dies unterstreicht nach Helmich die unterschiedlichen Möglichkeiten der Einordnung.
Trotzdem ist die umgangssprachliche Bezeichnung nach wie vor und neben diversen euphemistisch<nowiki/>en Formulierungen gängig. Letztere lauten etwa ?sich das Leben nehmen? oder ?Hand an sich legen? (statt ''sich suizidieren'', ''Suizid begehen'' oder ''sich selbst töten'') und stellen eine Möglichkeit zur Distanzierung dar.

Die Bezeichnung ''Selbsttötung'' wird amtssprachlich verwendet. Dabei bleibt der Unterschied zwischen Vorsatz und offen.

Selbstmord

''Selbstmord'' ist die historisch älteste deutschsprachige Bezeichnung für einen Suizid. Der ursprünglich nicht wertende Begriff ist keine eigentliche deutsche Wortschöpfung, sondern entstand als des neulateinischen ''suicidium'' im 17. Jahrhundert.

Der Begriff wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus Friedrich Nietzsches ''Vom freien Tode'' gebildet, einem Kapitel in seinem Werk ''Also sprach Zarathustra''. und teils im Rahmen innerislamischer Kämpfe verschiedener Glaubensrichtungen. Die Grenzen zwischen Selbsttötung und Glaubenszeugnis sind in diesen Fällen fließend. Offenbar glauben viele Attentäter, nach ihrem Tod sogleich ins Paradies aufgenommen zu werden.

Der islamische Märtyrertod bedarf stets der Zustimmung von religiösen Führern und einer Glaubensgemeinschaft; sonst würde er als Selbstmord angesehen. In der in New York City geschah. So verurteilt er die Angriffe von al-Qaida als ?nicht mit der Scharia [?] und dem wahren islamischen Dschihad vereinbar?. Für Fadlallah sind die Kämpfer der al-Qaida keine Märtyrer, sondern ?bloße Selbstmörder?.

Auch im , Vordenker der ägyptischen Dschihad-Gruppe, in seiner Schrift ''Die vergessene Pflicht'' (1981) diese Haltung.

Die vergleichsweise niedrige allgemeine Suizidrate in islamisch geprägten Ländern dürfte auch auf den Gedanken der Vorherbestimmung des Schicksals (?Kismet?) zurückzuführen sein.

Buddhismus

In den buddhistischen Schriften wird die Selbsttötung differenziert betrachtet. Der Buddhismus selbst schwankt zwischen klarer Ablehnung und bedingter Zustimmung zur Selbsttötung. Keinesfalls ist die Selbsttötung mit der Tötung eines anderen Wesens zu vergleichen, und Formen der Selbsttötung, die andere Leben gefährden, werden vor allem aufgrund dieser Tatsache geächtet.
Die Selbsttötung mit dem Ziel, die eigene Erleuchtung vor einem Rückfall (z. B. bei schwerer Krankheit) zu schützen oder um nach der Wiedergeburt zu einer höheren Daseinsform aufzusteigen, wird in den Schriften da und dort positiv gewertet.
Voraussetzung für eine positive Wertung der Selbsttötung ist ein ?klarer, konzentrierter und ruhiger Gemütszustand? und das ?Vertrauen in einen Buddha?. Unter diesen Voraussetzungen wird die Selbsttötung als nicht verwerflich oder karmisch schädlich bezeichnet.

Da im Buddhismus alles Leben höchste Achtung genießt, ist auch im heutigen Buddhismus der Suizid geächtet, insofern eine destruktive Motivation ursächlich ist. In Thailand und Sri Lanka, welche vom Theravada-Buddhismus geprägt worden sind, gilt ein Suizid auch als Schande für die gesamte Familie.

Jainismus

Indische Mönche, die dem Jainismus angehören, vollziehen das Todesfasten zum Abschluss eines langen rituellen Übungsweges.

Philosophie

Bedeutende Vertreter der wie die Philosophen Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel bestreiten das Recht des Menschen, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Bei Kant finden sich dazu platonische Einflüsse. Auch er bedient sich daher des Bildes, dass ein Mensch seinen Wachposten nicht verlassen darf. Der christlichen Ansicht, dass das menschliche Leben heilig und einzigartig sei und alle Anstrengungen unternommen werden müssten, dieses zu schützen, entgegnet Hume, dass es in diesem Sinne für einen Christen auch falsch sein müsse, einen natürlichen Tod hinauszuzögern, da dies Gottes Wille widerspreche.

. Frankfurt am Main 1989, hier S. 137 ff.</ref>

Albert Camus nahm sich in seinem philosophischen Essay ''Der Mythos des Sisyphos'' des Problems Suizid an. Dabei erklärt er zwar den Suizid als einzigen Ausweg aus der Absurdität des menschlichen Lebens, lehnt ihn jedoch aber vehement ab. Die Stärke des modernen Menschen zeichne sich laut Camus nicht dadurch aus, sich selbst das Leben zu nehmen, sondern im Gegenteil dazu die Absurdität zu erkennen und trotzdem mit seinen Aufgaben fortzufahren, wie er am Beispiel des ?Mythos des Sisyphos? erklärt.

Rechtswissenschaft

In der Rechtswissenschaft zeichneten sich vereinzelte Forderungen zur Liberalisierung des Suizids ab, dessen Ausführung in vielen Gebieten Europas bis in das beginnende 19. Jahrhundert hinein weiterhin als Straftatbestand geahndet wurde. So machte der Strafrechtsreformer und wichtige Ideengeber Cesare Beccaria in seinen Ausführungen deutlich, dass der Suizid keiner Bestrafung unterzogen werden solle, ?weil sie nur auf einen kalten und leblosen Leichnam oder auf Unschuldige fallen kann.?

Andere Kulturen

In anderen Kulturen kann die rituelle Selbsttötung gesellschaftlich akzeptiert sein. Zu nennen wären hier das japanische Seppuku oder das indische Sati. Auch bei den Maya in ihrer klassischen Periode war die Göttin Ixtab für diejenigen Krieger zuständig, die nach dem Verlust ihrer Ehre von ihr mit einem Seil in einen der dreizehn Himmel gezogen werden.

Schwieriger zu beurteilen ist die Rolle des Suizids bei den im Amazonas-Gebiet. Cunahá, ein Gift zum Töten von Fischen, das aus bestimmten Lianenwurzeln gewonnen wird, nehmen die Stammesmitglieder ab dem 12. Lebensjahr zu spirituell-rituellen Zwecken zu sich. Dies endet dann tödlich, wenn die Wurzel nicht schnell genug wieder ausgespien wird. Es gibt auf der anderen Seite kein Wort für ?Suizid? bei den Suruahá.

'''Eskimo-Kultur:'''

Bei den Suizid die zweithäufigste Todesursache.
Weitere Einzelheiten zu ''Suizid bei den Eskimos'' in Vergangenheit und Gegenwart sind unter Inuit-Kultur (Abschnitt Tod) nachzulesen.

'''Ainu-Kultur:'''

In der , ?mit ihrer sehr viel geringer entwickelten Soldarität?, unterscheide.
Ihre Konkretisierung erfährt die Unantastbarkeit der Menschenwürde insbesondere im Recht auf , soweit diese nicht Rechte anderer verletzt oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt ( GG).

Dieses Grundrecht umfasst nach gegenwärtiger Ansicht die Freiheit, lebensverlängernde oder gesundheitserhaltende Maßnahmen abzulehnen.
Uneinigkeit besteht, inwieweit die Ausübung dieses Freiheitsrechts gegen das Sittengesetz verstößt. Religiös fundierte Wertsetzungen können für die Klärung dieser Frage nicht maßgebend sein. Sie dürfen zwar durch die Religionsfreiheit in Deutschland ( GG) vom Einzelnen gelebt, anderen aber nicht gegen ihren Willen übergestülpt werden.
Entsprechendes gilt für Wertsetzungen, die aus philosophisch-weltanschaulichen Systemen abgeleitet sind, denn keines von ihnen kann beanspruchen, allgemeingültig zu sein.
Der Philosophie Kants folgend, der der Begriff des Sittengesetzes entlehnt ist, verbinden sich denn auch damit keine bestimmten materiellen Bewertungen, sondern eine Prüfung der Frage, inwieweit das Handeln des Einzelnen Maßstab für eine allgemeine Gesetzgebung sein könnte (Kategorischer Imperativ).

  • Manfred von Lewinski: ''Ausharren oder gehen? ? Für und wider die Freiheit zum Tode.'' Olzog, München 2008, ISBN 978-3-7892-8254-6.

  • Gerd Brudermüller, Wolfgang Marx, Konrad Schüttauf (Hrsg.): ''Suizid und Sterbehilfe.'' Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2060-X. ()

  • Gerhard Krause, Gerhard Müller, Siegfried M. Schwertner, Matthias Glockner: ''Theologische Realenzyklopädie''. Band 35. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017781-1.

  • Martin Delhey: ''Buddhismus und Selbsttötung.'' (= ''Buddhismus in Geschichte und Gegenwart,'' Band VII.) Universität Hamburg, 2002, S. 111?132.

  • Klaus Mylius (Hrsg.): ''Die vier edlen Wahrheiten. Texte des ursprünglichen Buddhismus.'' Reclam-Verlag, Leipzig 1983, ISBN 3-15-003420-5. In anderer Textfassung online

  • Antoon A. Leenaars, Michael J. Kral, Ronald J. Dyck: ''Suicide in Canada.'' 1998 ()

  • Statistisches Bundesamt

  • Andere

<references responsive>
<ref name="whofactsheet">
who.int/news-room/fact-sheets/detail/suicide, World Health Organization-Website, 24. August 2018. Abgerufen am 24. August 2019.
</ref>
<ref name="dgsallgemein">
suizidprophylaxe.de -Website: Suizidalität. Abgerufen am 25. August 2019.
</ref>
<ref name="helmich">
Peter Helmich: Selbstmord: Ein Wort, das es nicht geben sollte, -Website 2004; 101(23): A-1652 / B-1374 / C-1324. Abgerufen am 25. August 2019.
</ref>
<ref name="planetwissen">
Jürgen Dreyer: planet-wissen.de/gesellschaft/tod_und_trauer/selbsttoetung/index.html, Planet Wissen-Website, 5. Januar 2015. Abgerufen am 25. August 2019.
</ref>
<ref name="ntv1">
Jana Zeh: Suizid bleibt ein totgeschwiegenes Tabu, n-tv-Website, 10. September 2013. Abgerufen am 25. August 2019.
</ref>
<ref name="WHO-2014">
''Preventing suicide: A global imperative.'' Luxemburg 2014, ISBN 978-92-4-156477-9. Weltgesundheitsorganisation (WHO), Online (mehrsprachig)
</ref>
</references>